Fürstenzell
Standort
Fürstenzell Marktplatz
Google Maps: 48.522648, 13.317758
Geschichte
Kriegerdenkmal Krieg 1870-1871 ca. 1880 erbaut.
Umbau für Krieg 1914-1918 von 1921 bis 1922. Enthüllung 1924 und Einweihung 1926.
Der Teil des alten Kriegerdenkmales wurde auf das neue Kriegerdenkmal aufgesetzt.
Inschriften des Denkmals
Vorderseite: „Die Pfarrgemeinde Fürstenzell ihren im Weltkriege gefallenen Krieger“ „1914-15“, 22 Namen
Rechte Seite: 4 Namen von Gefallenen in 1870, „1915-1916“, 22 Namen
Rückseite: „Mit Gott für Kaiser, König und Vaterland“, „1916-1917“, 24 Namen
Linke Seite: „Den im siegreichen Kampfe der Deutschen gegen Frankreich im Jahre 1870. & 71. gefallenen Kameraden“, „1917-1918“,
Verantwortlicher Verein
KRV Fürstenzell
Ansprechpartner
Peter Birner, Irsham 46, 94081 Fürstenzell
Vereinsgründung
04.06.1855
Neugründung des Vereins
Neugründung: 20.11.1955
1. Vorstand: Max Eder
Heute:
1. Vorstand: Peter Birner
Mitgliederzahl
46 davon 2 Kriegsteilnehmer
Anfrage des Pfarrers J. B. Dullinger beim Bischöflichen Domkapitel Passau am 26. Juli 1875
Fürstenzell, den 26. Juli 1875
Errichtung eines Krieger-Monumentes betr.
Hochwürdigstes Bischöfliches Domkapitel Passau
Sede vacante !
Gestern Mittags erschienen die Vorstände und andere Mitglieder des Fürstenzel-
ler Veteranen- und Kriegervereins in der Wohnung des unterthänigst gehorsamst
Unterfertigten und brachten vor: daß sie den aus ihrem Vereine im Kriege 1870
gefallenen Kameraden auf dem Gemeinde-Platze zu Fürstenzell ein Monument zu
errichten beschlossen haben. Dieses Denkmal, setzten sie hinzu, werde, obwohl
noch nicht angefangen, innerhalb 14 Tagen vollendet sein, so daß am Sonntage
den 8ten August die feierliche Enthüllung desselben geschehen könne. Und zu-
letzt wurde die Bitte gestellt, daß an diesem Tage „die kirchliche Weihe“, wie man
sich ausdrückte, und die Abhaltung eines Gottesdienstes mit einer kurzen Anrede
und Hl. Amte – und zwar im Freien auf dem Platze vorgenommen und übernom-
men werden möchte.
Der also angeredete, hiedurch höchlich überrascht, entgegnete in kurzen Worten,
dass er dem gestellten Verlangen vorläufig keinerlei Zusagen zu machen im
Stande sei, indem zur Vornahme fraglicher Bitte höhere Vollmachten nothwendig
seien. Der unterthänigst gehorsamst Unterfertigte wagt demnach die demüthigste
Bitte: Eine oberhirtliche Stelle wolle in dieser Angelegenheit demselben in seiner
großen Verlegenheit gnädigst die entsprechenden Weisungen ertheilen, nament-
lich huldvoll aussprechen: ob der Gottesdienst /:Missa solemnis:/ sub divo [im
Freien]
abgehalten werden dürfe und überhaupt welche Ceremonien bei dieser Sache in
Anwendung zu kommen haben? Hiezu erlaubt man sich noch zu bemerken, dass
in den fraglichen Platz nicht als weniger 4 – man sage vier – Straßen einmünden
und daher dieser Platz zur Abhaltung eines Gottesdienstes sicherlich wenig geeig-
net sei. Überhaupt ist es mit der intendierten Feierlichkeit vorzugsweise nur da-
rauf abgesehen, um damit Eclat zu machen, wie dies heut zu Tage gar oft vor-
kommt. Es wäre die Errichtung eines derartigen Monumentes gar nicht nothwen-
dig gewesen, da ohnehin in der Kirche eine ganz passende Gedenktafel zu Ehren
der im oben genannten Kriegsjahre Gefallenen vor mehr als einem Jahr aufgestellt
worden ist.
Da aber leider die Sache nicht mehr zu ändern ist und nunmehr etwas geschehen
muss, so wagt man wiederholt um gnädigste Weisungen und zwar in möglicher
Bälde ehrfurchtsvollst zu bitten, da schon am nächsten Sonntage die betreffenden
Verkündungen geschehen sollen.
In tiefster Ehrfurcht [vor dem] Hochwürdigsten Bischöflichen Domkapitel
Unterthänigst gehorsamstes Pfarramt Fürstenzell, Dullinger Pfr.
Übersetzung des Zeitungsberichtes vom 17. August 1875
(Verspätet) Aus Fürstenzell, 9. Aug. geht uns von anderer Seite eine Schilderung der dort am 8.
Aug. stattgefundenen Feier zu, da sich dieselbe mehr ins Detail ergeht, ebenfalls nachträglich
noch bringen wollen. Sie lautet: eine seltene und erhabene Feier- wie sie vielleicht die Bewohner
Fürstenzell nicht mehr erleben werden, hat gestern bei uns stattgefunden, nämlich die Enthül-
lung und Einweihung des Monuments für die aus der Pfarrei Fürstenzell im Kriege gegen Frank-
reich gefallenen Krieger. Trug das Fest an und für sich schon einen schönen Charakter, ja wurde
dasselbe erhöht durch die Beteiligung der fremden Kriegervereine von Passau, Vilshofen, Haibach
(Österreich), Beiderwies, Dorfbach, Engertsham und Heining. Sämtliche Vereine wurden mit Mu-
sik empfangen und ins Vereinslokal begleitet. Um 10 Uhr Vormittag bewegte sich der schön ar-
rangierte Zug in die Kirche, an der Spitze die Schuljugend, die Liebl´sche Kapelle von Griesbach,
die Gemeindeverwaltung, so dann die fremden Vereine mit prachtvollen Fahnen und schließlich
die Feuerwehren von Höhenstadt, Fürstenzell und Engertsham, welche letztere für die Aufrecht-
erhaltung der Ordnung sorgten. Während der hl. Messe spielte die Liebl´sche Kapelle 4 Stücke,
aus welchen man die Leistungen dieser vortrefflichen Kapelle erkennen konnte. Nach Beendigung
der kirchlichen Feierlichkeiten begab man sich in derselben Ordnung zurück zum Monument, dort
angekommen wurde von den Veteranen und Kriegern um das Monument ein Kreis formatiert
und nahm hierauf Herr geistl. Rat Dullinger die Enthüllung und Einweihung in der üblichen Weise
vor. Am Schlusse hielt derselbe an die versammelten Krieger und Veteranen eine schöne Anspra-
che, in welcher er auch ins besonders die Verdienste der Krieger betonte. Außerdem brachte
Herr Ludwig Pilzweger von Höhenstadt ein Hoch auf den deutschen Kaiser, König Ludwig II. und
die gesamte deutsche Armee aus. Herr Holzinger. Vorstand des Veteranenverein Passau legte so-
dann im Namen des Veteranenvereins Passau und Beierwies einen schönen Eichenkranz auf das
Monument. Der Nachmittag war der geselligen Unterhaltung gewidmet und trug insbesonders
das vortreffliche Bier aus der Wieninger´schen Brauerei, nicht minder die ausgezeichnete Bewir-
tung und vortrefflichen Speisen des Gastwirtes Mach zu derselben sehr viel bei.
Bei einbrechender Nacht begab man sich wiederholt zu dem schon beleuchteten Monument und
wurde dort von der Liebl´schen Kapelle eine Hymne“ vorgetragen, hierauf wurde auf Vergangen-
heit des Herrn Diller von Passau, das Quartett “Unter allen Wipfeln ist Ruh“ schön und erfasst ge-
sungen. Nach Beendigung des Gesanges hielt Herr Diller an die das Monument dicht umrah-
mende Versammlung eine Ansprache, in welcher derselbe die Krieger ermahnt, stets bereit zu
sein, für Deutschland, Krone und Einigkeit einzustehen mit Mut und Blut. So verlief ein Fest in
schönster Ordnung ohne dass die geringste Ruhestörung vorgekommen und wird dieser Tag den
Bewohnern Fürstenzell unvergesslich bleiben.
Der erbetene kurze Bericht es Pfarrers J. B. Dullinger vom 17. August 1875 an das Domkapitel Passau
Fürstenzell, den 17. August 1875
Errichtung eines Kriegermonumentes betr.
Hochwürdigstes Bischöfliches Domkapitel Passau
Sede vacante !
Dem im rubricierten Betreffe gnädigst gegebenen Auftrag vom 30. vorigen Monats
entsprechend wird hiemit gehorsamst berichtet, dass die fragliche Feier am 8ten
dies. M. ganz der oberhirtlichen Weisung [entsprechend] stattgefunden habe.
Um 10 Uhr Vormittags wurde [von] dem unterthänigst gehorsamst Unterfertigten
das Hl. Meßopfer /:Feldmesse nannte man es:/ entrichtet, bei dem Monumente
selbst eine kurze Ansprache gehalten und schließlich das De Profundis mit der
betreffenden Oration gebetet.
Hiezu erlaubt man sich noch zu bemerken, dass auch die übrige Feier, namentlich
die Unterhaltung unter den Mitgliedern des Krieger-Vereines vom Anfange bis Ende
in Ruhe und Ordnung verlief.
In tiefster Ehrfurcht [vor dem] Hochwürdigsten Bischöflichen Domkapitel
Unterhänigst gehorsamstes Pfarramt Fürstenzell
Dullinger, Pfr.
Antwort des Domkapitels Passau am 30. Juli 1875 auf das Schreiben von Pfarrer J. B. Dullinger
Passau, 30. Juli 1875
An das Pfarramt Fürstenzell
Errichtung eines Krieger-Monumentes betr.
D. B. Dkpl. P.
[Das Bischöfliche Domkapitel Passau]
Auf die Bittvorstellung vom 26. des Monats [Juli] „Errichtung eines Krieger-
Monumentes betr.“ eröffnen wir Folgendes zur Entschließung:
Es wird hiemit die erbetene oberhirtliche Erlaubnis dazu ertheilt, daß am Sonntag,
den 8. August l[aifenden]. J[ahres]. aus Anlass der feierlichen Enthüllung des
Krieger-Monumentes ein eigener Gottesdienst – jedoch nicht De Requiem – mit
entsprechender Anrede abgehalten wird, wobei wir aber ausdrücklich die
Bedingung setzen, daß diese Missa solemnis durchaus nicht sub divo, sondern nur
in der ohnehin sehr geräumigen Pfarrkirche abgefeiert werde.
Bei dem Monumente selbst kann auf Wunsch und Verlangen eine kurze Ansprache
gehalten und wie bei einem Grabgange das De Profundis mit der betreffenden
Oration gebetet werden. Eine eigentliche Benediktion dieses Monumentes selbst
findet ebenso wenig wie bei anderen Grabmonumenten statt.
Nach vollendeter Feier sehen wir einer Berichterstattung hierüber entgegen.
